Die Erstbesteigung des Ortlers

Erstbesteigung des OrtlersWer kennt Ihn nicht, den höchsten Berg Südtirols, den Ortler, italienisch Ortles, im oberen Vinschgau. Zahlreiche Routen, allesamt anspruchsvolle und ernst zu nehmende Hochtouren, wobei der Normalweg von Norden die bedeutendste Route ist, führen auf den 3.905 Meter hohen Gipfel.

Viele dieser Wege sind nach ihrer Erstbesteigung nicht mehr begangen worden und haben ausschließlich historisches Interesse. Doch wer war als erster auf dem höchsten Gipfel Südtirols und wann?

Die Erstbesteigung geht auf das Jahr 1804 zurück als Erzherzog Johann von Österreich durch Tirol reiste und vom Reschenpass aus den Ortler sah. Daraufhin beauftragte er den Beamten Johannes Gebhard die Erstbesteigung des Ortlers zu organisieren. In Begleitung zweier erfahrener Bergsteiger, Leitner und Klausner, reiste dieser nach Sulden und versprach den dortigen Bauern Geld für das Finden eines möglichen Weges zum Gipfel. Mehrere vergebliche Versuche, meist in der Nähe des heutigen Normalweges, scheiterten.

Am 26. September desselben Jahres stellte sich Josef Pichler, Gämsenjäger auf der Churburg in Schluderns bei Gebhard vor. Dieser wollte nur im Erfolgsfall einen Lohn. Nachdem Pichler Gebhards Zusage erhielt, brach er noch am selben Tag mit den Bergsteigern Leitner und Klausner zum Gipfelanstieg auf, jedoch diesmal nicht von Sulden sondern von Trafoi aus. Ohne Kletterseil und Pickel erreichten sie auf einem sehr schwierigen Aufstiegsweg zwischen 10 und 11 Uhr vormittags den Gipfel, auf welchem sie sich aufgrund des heftigen Windes und der tiefen Temperaturen nicht länger aufgehalten haben. Um 8 Uhr abends kehrten sie nach erfolgreichem Gipfelanstieg wieder nach Trafoi zurück. Gebhard meldete am 1. Oktober Erzherzog Johann den Erfolg.

Im Jahr 1805 wurde der Ortler immer im Auftrag Erzherzogs Johann auch von Sulden aus über den „Hinteren Grat“ bestiegen. Heute ist der Ortler unter Bergsteigern einer der bedeutendsten Gipfelziele der Ostalpen.

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