Kirchturm von Graun im Reschensee

Kirchturm im ReschenseeDie Geschichte dieses ungewöhnlichen Bildmotivs beginnt im Jahr 1950. Nach heftigen Protesten der Einwohner von Graun und Reschen werden die Schleusen endgültig geschlossen, die Seestauung nimmt ihren Lauf. Meter für Meter steigt der Wasserspiegel, verschlingt ein Gebäude nach dem anderen.

Bevor es jedoch dazu kam, wurde die Bevölkerung  im Zuge der Stausee-Errichtung umgesiedelt; Wohnhäuser und Ställe wurden gesprengt. Einzig der Kirchturm von Alt-Graun blieb bestehen. Er ragt noch heute aus den Wassern des Reschensees. Sie fragen sich warum? So viel sei schon einmal verraten: Seine Höhe war nicht ausschlaggebend. Der Grund ist ein anderer.

Der 677 Hektar große Grund und Boden, auf welchem der Montecatini-Konzern sein Großkraftwerk zur Erzeugung von Elektroenergie errichten wollte, war nicht nur von Flora und Fauna geprägt, auch die Häuser und Wirtschaftsgebäude von insgesamt 120 Familien fanden hier ihren Platz. Doch anders als die einfachen Wohnhäuser und Ställe stand der Kirchturm St. Peter aus dem 14. Jahrhundert bereits damals unter Denkmalschutz, weshalb man von einer Zerstörung absah.

Turm von Graun im ReschenseeTurm im Reschensee im SommerTurm im Reschensee im Winter

Nicht unter Denkmalschutz stand hingegen das Kirchenschiff. Dieses wurde am 23. Juli 1950 gesprengt und versank in den Fluten des Reschensees. Zuvor, am 9. Juli, wurde noch ein letzter Gottesdienst abgehalten. Die bewegenden Worte des Pfarrers, die den Kirchenraum erfüllten, rührten nicht wenige zu Tränen. Rund 7 Tage später ertönten die beiden Glocken ein letztes Mal, ehe sie, gleich wie die Orgel, aus dem Turm gebracht wurden. Männer deckten das Dach der Kirche ab; Kelche, Kreuze und alle weiteren liturgischen Gegenstände wurden in Sicherheit gebracht.

Heute, Jahrzehnte später, zeugt nur noch die Turmspitze von den damaligen Geschehnissen. Je nach Wasserstand des Stausees am Reschen ist mehr oder weniger vom Kirchturm im See zu sehen, welcher Sommer wie Winter wie ein Mahnmal still da steht. Wobei nicht wenige Vinschger behaupten, dass man an manchen Tagen die alten Glocken läuten hört.

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